Lucia

Am 13. Dezember ist Luciatag in Schweden.

Gefeiert wird die Sankta Lucia, die in den finsteren Zeiten Europas in
Italien lebte und ihr Leben für die Armen einsetzte. Heute feiert man
dies in Schweden als ein Lichterfest, bei dem die Heilige Lucia mit
einem Kerzenkranz auf dem Kopf dargestellt wird, und stimmungsvolle
Lieder gesungen werden.

Wiebke singt ja im Chor der Silbergrube in Sala, und dort war am
vergangenen Wochenende eine ganze Reihe von Konzerten. Sogar das
Fernsehen war da und hat den folgenden Film veröffentlicht:

(Wiebke ist auch dabei, hinter der Lucia im Hintergrund, wie sich das
für die Alt-Stimme wohl gehört...)

Stress oder nur viel zu tun?

In den letzten Wochen ist es mal wieder so, dass wir viel zu tun haben und uns kaum melden können. Manche wundern sich vielleicht über die Stille und fragen sich was los ist.
Wenn wir dann erzählen was so los ist, klingt das meist wie Stress. Und ja, vielleicht ist es das. Aber eigentlich auch wieder nicht. Viele Dinge die uns so auf Trab halten, sind schön und wir haben das Meiste selbst so gewählt. Trotzdem jonglieren wir gerade ganz schön mit unseren Zeiten und schaffen es manchmal nur gerade so den Alltag zu managen. Daher bleiben Telefonate und Emails leider oft auf der Strecke. Das ist vielleicht nicht gut und wir finden es selbst nicht so toll aber so sieht es eben bei uns aus zur Zeit.
Was wir so treiben?
Zu erst einmal haben wir ja drei Kinder :) Die halten uns ganz schön auf Trab. Das bedeutet im normalen Alltag Sporttaschen packen, zweimal die Woche für die Grossen und einmal in der Woche für den Kleinsten. Daneben haben die Grossen noch Deutschunterricht und brauchen dazu eine extra Mahlzeit. Klingt banal aber wascht und packt mal jede Woche für drei Kinder die Taschen ohne es zu vergessen... Und da fallen ja immer wieder andere Dinge an an die gedacht werden muss.
Da müssen natürlich Hausaufgaben gemacht werden und Vokabeln gelernt werden. Das ist etwas weniger als in Deutschland, muss aber gemacht werden und kostet uns schon die eine oder andere Stunde und Nerven. Darüber hinaus fallen gerade jetzt im Herbst mal wieder Entwicklungsgespräche an (die sind zwei mal im Jahr). Da trifft man sich mit Erziehern und Lehrern um zu besprechen wie es gerade läuft und was man machen kann. Die Kinder gehen ab und zu zum Frisör und ab und an stehen Arztbesuche an. Das sind meist Vorsorgeuntersuchungen aber manchmal ist auch mal was und da muss man dann Termine ausmachen. Auch hier fallen gerade jetzt einige Termine an, unsere Grosse hat immer noch regelmässig Schmerzen in den Knien und keiner weiss woher und was man tun kann. Wir bleiben dran. Aber bei Drei häufen sich solche Termine irgendwie immer so schön genial. Wäre ja auch zu einfach wenn sich das verteilen würde :)
Jochen war im Oktober noch verreist aber zum Glück nur 5 Tage und ich bin jede Woche einen ganzen Tag in Uppsala. Daneben haben wir alle unsere Hobbies. Voltigieren, Klavier und bis vor kurzem noch Schach. Eventuell kommt dafür dann in Zukunft Capoeira hinzu, eine Sportart die aussieht wie tanzender Kampfsport. Mehr weiss ich eigentlich selbst noch nicht. Der Grosse war da heute mal zum Probetraining und fand es klasse. Wenn er das macht, muss Jochen das Dienstags alleine schmeissen, ich bin da im Chor. Und er muss vermutlich die Band verlegen, damit unsere Grosse für das Voltigieren mittwochs in ein Extra-Training kann.
Jochen geht normalerweise 2x die Woche zur Band, auch wenn das in den letzten Wochen öfter ausgefallen ist und ich bin jede Woche einen Abend beim Chor.

Wir haben durch unsere Situation, dass wir im Ausland leben zwei Kulturen die wir aufrecht erhalten möchten. Das bedeutet, dass wir viel mehr Traditionen und Feste haben. Super :) Nur halt auch etwas mehr woran man denken muss und was man planen muss.
In Deutschland organisiert der Heimatverein oder der Kindergarten ein Fest zu St. Martin. Im Kindergarten und der Schule werden die Lampen gebastelt und alles wird organisiert. Hier müssen wir das selbst machen. Man organisiert sich mit anderen Eltern und meist klappt das gut. Dieses Jahr hat eine andere Familie die Hauptverantwortung für St. Martin übernommen. Wir mussten nur Lampen basteln und Gebäck mitbringen. Wie in jedem Jahr organisieren wir aber wieder die Nikolausfeier für immerhin ca. 30-40 Leute. Das wird zwar alles recht einfach gehalten, muss aber trotzdem organisiert werden. Wenn wir Eltern das nicht machen, dann verlieren die Kinder den Zugang zu diesem Teil ihrer Herkunft. Und das möchten wir nicht. Aber natürlich können wir nicht die schwedischen Traditionen ausfallen lassen. Dort brauchen wir aber zum Glück nicht federführend organisieren. Wir müssen nur dran denken rechtzeitig alles einzukaufen oder vorzubereiten und zu erscheinen. Bald, schon kurz nach Nikolaus ist Lucia. Da ich im Chor bin, falle ich für dieses Wochenende komplett aus. Von Freitag bis Sonntag haben wir 8 Lucia-Konzerte in der Grube und eines davon im Gefängnis in Sala. Die ganzzen Luciafeiern in Kindergarten und Schule sind aber zum Glück meist unter der Woche. Dafür muss man dann wieder die Arbeitszeit jonglieren.

Aber nicht nur diese vorweihnachtlichen Dinge beschäftigen uns. Die Kinder schauen jeden Abend Logo und sind dadurch sehr gut informiert was in Europa so los ist und wir haben viel über die Flüchtlingsproblematik gesprochen. Schon letzte Weihnachten sind wir Monatsgeber beim Roten Kreuz geworden, auf den Wunsch der Kinder. Wir haben lange darüber geredet und entschieden, dass wir von unserem Luxus jeden Monat etwas abgeben möchten. Durch die vielen Nachrichten hatten wir aber alle zusammen das Gefühl, dass das nicht mehr reicht und gerade die Kinder haben sich gewünscht mehr zu tun.
Deshalb haben wir Spielsachen und Kleider aussortiert die wir an Flüchtlingsheime geben wollen. Und wir haben uns beim Roten Kreuz als Flüchtlingsguide angemeldet. Das ging dann plötzlich ganz schnell und seit einigen Wochen treffen wir ca. einmal die Woche eine Familie mit drei Kindern aus Syrien. Ziel ist es Ihnen beim Erlernen der Sprache und bei der Integration zur Seite zu stehen. Das macht sehr viel Spass und gibt uns viel. Es hat uns sehr beschäftigt und wir reden sehr viel miteinander, darüber was man so braucht im Leben und wie gut wir es haben. Es ist aber gleichzeitig ganz schön anstrengend. Sowohl emotional als auch von der Zeit her.
Ich hatte mich zu Beginn auch für das Sprachcafé der Flüchtlinge eingetragen und war diese Woche zum ersten Mal dort. Auch das war spannend, interessant und auch anstrengend. Ich müsste die Zeit immer frei machen oder die 2 Stunden reinarbeiten da es in meine Arbeitszeit fällt aber ich habe das Gefühl, dass es das Wert ist. Vermutlich mache ich das aber nur jede 2. Woche.
Diese Dinge verstärken natürlich den "Stress" den wir im Alltag haben. Damit meine ich, dass kaum Zeit zum Putzen oder Waschen bleibt. Als die Kinder letzten Donnerstag meinten, dass sie dann bald keine Unterhosen mehr hätten, musste ich abends "Panikwaschen". Dann wird dann wieder mal eine Aktion gemacht und alles ist wieder ok :)

Für den Advent haben wir uns viele schöne Dinge mit den Kindern vorgenommen, damit es nicht zu stressig wirkt. So wollen wir uns Zeit nehmen zum Backen und Hausschmücken und Weihnachtsmärkte besuchen. Da wir beide Arbeiten, Jochen voll und ich immerhin zu 80%, müssen wir sowas planen und nehmen uns dann nicht noch die Zeit für andere Dinge. Daher bleibt manches leider auf der Strecke und wir melden uns nicht so oft.
Das soll jetzt kein Gejammer sein. Wir wollen kein Mitleid oder so. Ja, es ist manchmal alles etwas viel und wir planen nicht mehr lange vorraus. Wir leben von einer Woche in die nächste weil einfach zu viele DInge zu tun und zu erinnern sind. Aber wir haben das so gewählt und es geht uns 5 echt gut damit. Wir haben eine tolle Zeit miteinander, auch wenn wir alle etwas müde sind. Insgesamt haben wir sicher nicht mehr Stress als alle anderen berufstätigen Eltern mit mehreren Kindern. In unserem Fall kommt einfach noch die zweite Kultur hinzu und, dass wir das alleine stemmen. Aber ich finde, dass wir das recht gut machen und wir fühlen uns wohl so. Diese Phase unseres Lebens ist eben etwas voller und stressiger. Es werden aber auch wieder andere Zeiten kommen.
Ich wollte mich nur mal wieder melden, erzählen was bei uns so passiert und erklären warum wir uns nicht so oft melden wie sich das mancher vielleicht wünscht.
Man kann uns aber immer schreiben, das klappt meist noch ganz gut. Oder anrufen funktionert auch. Wir gehen nicht immer ran. Manchmal passt es einfach nicht oder vor allem ich höre es nicht immer.... Aber versucht es gern, wir freuen uns drüber und sagen dann auch wenn es grade gar nicht geht.

Lasst Euch nicht stressen im Advent, wir versuchen es auch entspannt zu nehmen. :)

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