November 2007

Lottogewinn

Heute hatte ich sowas wie einen kleinen Lottogewinn... nur umgekehrt.
Eben, gerade als ich dabei war Lilli und mir den Teller zu füllen, rief der Kindergarten an; Florian hat Fieber. Na suuuper. Ich also Teller zur Seite gestellt, Herd ausgemacht, Lilli einen Keks in den Mund gestopft zur Besänftigung, raus in den Flur, Schuhe an, Lilli Jacke und Schuhe an, selber Jacke an und raus ins Auto. Schnell wieder zurück, Florians Bär holen...
Mit dem Auto zum Kindergarten rasen und Lilli wieder aus dem Kindersitz raus. Das mag ise grade gar nicht. Weder rein, noch raus!
Drinnen fand ich dann einen völlig fertigen Florian. Er saß bei einer der Erzieherinnen auf dem Schoß und jammerte. Gegessen hatte er nichts. Sie hatten 39,3 gemessen...
Wir also wieder raus aus dem Kindergarten. Davor natürlich wieder alle Schuha anziehen und Jacken anziehen. Im Kindergarten muss man nämlich schon direkt nach der Eingangstür die Schuhe ausziehen (wie bei den Schweden allgemein auch daheim). Draussen jammerte Florian, dass er nicht laufen kann. Also musste ich ihn tragen. Da ich aber nicht beide Kinder tragen kann, musste Lilli laufen. Eigentlich kein Problem, sie kann es ja. Nur lies sie erst ihren Hund auf dem Boden schleifen und sich dann am Ende in eine Pfütze plumpsen... Also Florian absetzen, Autotür für ihn öffnen, zurück zu Lilli rasen, dabei aufpassen, dass ich selber nicht auf dem Eis rutsche (wieso streuen die eigentlich nicht in Schweden?), Lilli, die einfach sitzen geblieben ist, aus der Pfütze heben und zum Auto tragen. Dort die Schuhe, Jacke und Hose ausziehen. Mist Strumpfhose ist auch nass. Egal, rein ins Auto und los. Daheim ert Lilli raustragen, im Haus absetzen, da ist es schon mal wärmer. Dann zurück zum Auto, Florian rausheben und ebenfalls reintragen. Dann Lilli umziehen und wickeln. Danach bei Florian Fieber messen (39,1), Zäpfchen geben, anziehen und mit Lilli zurück in die Küche. Florian wollte im Bett bleiben. Gerade als Lilli und ich mit dem Essen endlich anfangen wollten (ich musste es wieder wärmen) kam er dann doch noch und wollte auch was. Nach dem Essen musste ich Lilli wieder wickeln. Florian lag im Bett, wollte aber nicht schlafen. Sie ist nun mittlerweile eingeschlafen, er sitzt neben mir und "schreibt" etwas auf dem Laptop.
Ach ja, in der Zwischenzeit war ich dann wieder am Auto um die Kleider und Schuhe von Lilli zu holen und nach der Post zu schauen. Die Küche muss ich nun auch noch fertig aufräumen... und mit Florian was spielen. Was das nicht zu anstrengend ist und nicht zu sehr nach Schlafen aussieht....
Mal sehen was wir machen... Buch lesen... oder was bauen oder vielleicht doch Pippi anschauen? Er würde ja gerne Pippi sehen...

Wunschliste

Hier ist unsere Wunschliste, falls uns jemand irgendwas schenken möchte.

Tips für Mitbringsel gibt es auch noch hier: "Was man hier nicht kaufen kann".

Wir haben auch einen -Wunschzettel

Seitenthemen: 

Florian allein in der förskola

Heute war Florian das erste Mal alleine im Kindergarten. Ich bin natürlich mit ihm hin und blieb noch etwas da. Dann, so um 10 bin ich mit Lilli in die öppna förskola und erst um halb 12 zum Essen wieder zurück zu Florian. Er freute sich uns zu sehen aber ich hatte auch das Gefühl, dass es ihm gut ging. In der Zeit in der er alleine war, kümmerte sich eine Erzieherin fast nur um ihn. Sie spielte mit ihm und passte auf, dass es ihm gut ging. Das war sehr schön. Und sie meinten hinterher, dass es gut geklappt hat, sogar besser als wenn ich dabei bin. Das glaube ich gerne. Denn wenn ich dabei bin muss er sich nicht anstrengen schwedisch zu lernen. Er kann sich in allem auf mich verlassen. Ausserdem hört er ja besser wenn ich nicht da bin. Das ist ja meist so im Kindergarten, dass die Kinder besser hören als daheim.
Ich war ziemlich nervös als ich ging. Als ich ihm das erklärte, war er erst mal nicht einverstanden und ich dachte schon es gibt geheule. Aber dann sagte er einfach Tschüss und spielte weiter mit einem Puzzle. Also bin ich schnell mit Lilli raus. Für die war das auch sehr gut. Sie mag den Kindergarten zwar aber eigentlich sind da ja nur ältere Kinder und das ist nichts für sie. Sie kann da nicht so in Ruhe spielen. In der öppna förskola ist das besser. Vor allem morgens. Da kommen viele Eltern mit ihren Kindern und da wird gespielt und gesungen. Es ist so wie in einer Krabbelgruppe, nur, dass es keine feste Gruppe ist. Übrigens ist es erstaunlich wie viele Väter sich da einfinden. Sie machen hier viel öfter Elternzeit. Pappaledig heisst das dann. Oder Mamaledig. Und das ist relativ normal, dass die Väter das für eine gwisse Zeit auch machen. Und in der Zeit gehen sie natürlich mit den Kindern genauso zur Krabbelgruppe oder zum Schwimmen, wie die Mütter.

Krank werden in Schweden

oder: Wie vermeidet man am besten, daß zuviele Leute zum Arzt gehen.

Wenn man in Deutschland krank wird, ist es ganz einfach: Man geht (womöglich noch unangemeldet) zu einem Arzt (nicht mal unbedingt der Hausarzt), wartet dort bis man dran ist, spricht mit dem Arzt, bekommt ein Rezept und holt die Medizin in der Apotheke ab, die meistens noch im gleichen Gebäude untergebracht ist. Fertig.

Nicht so in Schweden. Da hier die ärtztliche Versorgung staatlich organisiert und finanziert ist, muss man dafür sorgen, daß möglichst wenige Leute es bis zum Arzt schaffen und somit die Kosten niedrig bleiben. Dafür gibt es die sogenannten Familienärzte in jedem Ort, so auch in Tillberga. Da ist täglich von 8 bis 9 Uhr offen. Dort ist aber kein Arzt, sondern eine Krankenschwester (das schwedische Wort für Krankenschwester (sjuksköterska) ist übrigens eines der schwierigsten, wenn es zur Aussprache kommt). Die Krankenschwestern haben viel mehr Möglichkeiten als die in Deutschland, sie können Medizin verschreiben, Spritzen geben und vieles, was in DE nur der Arzt darf. Falls man aber was schlimmeres hat, muss man in die Stadt, zur Zentrale, wo dann auch ein Arzt ist.

Ausserdem gibt es eine Telefonnummer, die man immer anrufen kann, wo allerdings auch wieder eine Krankenschwester ist, die einem sagt, was man machen kann (und die nicht unbedingt englisch kann, und Krankheiten auf Schwedisch zu erklären ist wirklich schwer :? ).

Wenn man ein Rezept bekommt, ist das wieder ganz merkwürdig. Das wird nämlich - dank Personennummer - im "System" eingetragen, und man kann ohne Zettel oder irgendeinem Dokument zu einer beliebigen Apotheke gehen, und bekommt dort unter Angabe der Personennummer sein Medikament. Es sei denn, es ist grade aus, wie in meinem Fall, und kommt erst in zwei Wochen wieder, und es gibt keinen Ersatz. Dann hat vielleicht die Nachbarapotheke noch eins, das kann nämlich jede Apotheke direkt nachprüfen.

Achja, in meinem Fall geht es um eine Infektion im Auge, die ich mir zusammen mit einer Erkältung eingefangen habe. Jetzt habe ich ein Antibiotikum in Form von Augentropfen. :(

Die Lehre, die man also ziehen kann, wenn man krank wird in Schweden: tu's nicht, bleib gesund.

Schwenglisch

Dass mein Sprachkurs erst im Januar oder Februar anfängt, das ärgert mich ja schon ein kleines bisschen. Ich hätte zwar daheim meinen Kurs und hin und wieder schaue ich auch rein aber das ist ja nicht das Gleiche. Ausserdem muss ich dazu Ruhe haben. Die 20 Minuten reichen mir da irgendwie nicht... bis ich mich reingedacht habe... Ja, ich weiss, jeden Tag 20 Minuten sind schon nicht so wenig. Ach, trotzdem...
Naja, jedenfalls lerne ich ja auch schon ziemlich viel in der förskola. Mit den Erzieherinnen habe ich ausgemacht, dass sie nun weitgehend schwedisch mit mir reden. So kann ich lernen mehr zu verstehen. Es ist besser als wenn sie nur englisch mit mir reden. Allerdings habe ich noch nicht die Sicherheit und vor allem nicht genug Vokabeln um wirklich auf schwedisch zu antworten. Ich versuche es immer und einige kleine Sätze oder einzelne Wörter kommen schon ganz gut. Trotzdem muss ich immer noch recht viel in englisch sagen. Manche meiner Sätze sind sogar schwedisch und englisch gemischt. Das reinste Schwenglisch!
Heute habe ich sogar schon angefangen Florian auf englisch zu antworten... es wird immer verwirrender. Und Jochen und ich haben in unseren Gesprächen auch immer öfter das Gefühl, dass ein englisches Wort besser passen würde. Meist liegt das daran, dass man von einer Situation am Tag erzählt und da wurde meist englisch gesprochen... Das viele Übersetzen macht es manchmal noch schwerer. Es gibt viele schwedische Wörter, die dem Deutschen ähneln. Wenn man die aber zuerst ins englische übersetzt, klingen sie ganz anders. Da wäre es einfacher gewesen den schwedischen Begriff langsam zu hören und mit dem deutschen Wort zu vergleichen. Allerdings sind manche Dinge auch völlig anders...
Heute haben sie im Kindergarten mit Florian geübt. Im Sitzkreis haben sie Bilder von Tieren angeschaut und die Kinder haben gesagt was das ist. Florian auf Deutsch. Meist passt es ganz gut. Ko ist Kuh und hund ist Hund. Katt ist Katze. Das ist einfach... aber gris? Oder Häst? Schwein und Pferd.
Das sind noch die einfacheren. Fragt mich mal was Wurm oder Frosch heisst... ich kann es in etwa lautmalerisch nachmachen (ohne Gewähr für die Richtigkeit) aber schreiben kann ich es gewiss nicht. Frosch könnte sowas wie grund gewesen sein? Keine Ahnung mehr...
Der Schmetterling... als ich es hörte dachte ich, das sei einfach. Wir haben im Büro noch die Tapete mit den Schmetterlingen. Da stehen auch Fachbegriffe dabei. Ich dachte schon es könnte der schwedische Name auch drauf stehen und hab mich drauf verlassen. Aber nun sehe ich, dass da alles andere steht. Butterfly oder Appias nero oderf Papilon Zagreus... kein schwedisches Wort für Schmetterling. Es könnte in etwa sowas wie Philea???? gewesen sein. Da fehlt noch was... ach, ich könnte es ja nachschlagen. Aber ich frage lieber eines der Kinder. Die sagen das so süß und so lerne ich es besser als wenn ich das alles nachlese.
Heute wurden "Kronen" für das Nobeldinner gebastelt. Die machen in der Förskola an dem Tag an dem das echte Dinner ist, also am 10. Dezember, ein besonderes Essen. Sie sagen, dass man ja nie weiss, ob nicht mal eines der Kinder auch dahin darf. Schliesslich werden ja jedes Jahr viele Studenten eingeladen an dem Ereignis teilzunehmen. Es ist kein besonderer Feiertag hier, aber die Schweden wissen alle, dass am 10. der Nobeltag ist und sie gedenken ihm. Das finde ich schön. Die Kinder haben so einen Bezug dazu und verstehen besser worum es geht. Jedenfalls kommen an dem Tag die Leiterin der Einrichtung und ein weiterer Gast in unsere Gruppe um am Essen teilzunehmen. Es gibt ein besonderes Essen und die Kinder kommen gut gekleidet (es werden an dem Tag zufällig auch Fotos gemacht) und ziehen ihre Kronen auf. Die wurden also heute gebastelt. Die grobe Form war schon fertig. Die Kinder haben sie mit Glitzer und Tieren beklebt und so verziert. Sehr schön. Dabei haben ein Mädchen und ich miteinander die Tiernamen gelernt. Das war süß. Ich habe immer eines genommen und gefragt: "vad heter det?" Und sie hat geantwortet. Oder ich habe es ihr gesagt und sie hat mir gesagt ob das richtig ist. Ich glaube sie finden das lustig, dass ich das alles nicht weiss.
Die machen hier so viel im Kindergarten. Wie gesagt, am 10. das Nobelessen. Dann am 12. ist das Luciafest, das ja eigentlich einen Tag später wäre. Aber in der förskola machen sie es am 12. Da kommen die Kinder verkleidet. Die Mädchen haben meist ein Luciagewand an, ein weisses, langes Leinenkleid, sieht fast wie ein Unterkleid oder Nachthemd aus. Die Jungs haben eher ein Nikolauskostüm an oder noch eher den Weihnachtsmann. Manche haben auch etwas anderes an... das habe ich nicht richtig verstanden. Irgendwas mit Pfefferkuchenmann??? Das muss ich mir im Laden mal anschauen. Sie meinten, dass mindestens 80% der Kinder so kommen würden. Also werden wir Florian auch etwas kaufen :)
Oh je, schon wieder so viel geschrieben... was soll ich aber denn tun, wir erleben soooo viel. Ach ja, heute war es soooo gut im Kindergarten, dass wir morgen mal testen wie das ist, wenn ich mit Lilli eine halbe oder gar eine Stunde weg bin. Das Essen heute, ja wir haben da gegessen, war übrigens richtig lecker. Wenn das immer so ist...

Schneelandschaften

Es ist vielleicht noch etwas zu früh um über den Schnee zu schreiben. Und darüber wie schön er ist. Noch liegt nicht so richtig viel. Aber es hat immerhin schon geschneit und er liegt noch auf den Strassen. Der Schneemann im Garten steht auch noch. Zwar ist das hier für die Einheimischen noch nichts, aber für uns ist es schon was. Am Donnerstag soll es richtig schneien. Ich bin mal gespannt :)
Es ist schön hier wenn Schnee liegt. Viele, vor allem die Einheimischen, waren erstaunt, dass wir im Winter hergezogen sind und dass wir bisher eigentlich bis auf einmal, nur im Winter Urlaub in Schweden gemacht haben. Dabei ist es so schön, so romantisch wenn alles weiss ist. Jetzt liegt noch nicht genug, dass wirklich alles weiss ist. Die Bäume und Häuser haben schon wieder die normale Farbe angenommen. Nur auf den Strassen und Feldern liegt er noch und verändert dadurch die Landschaft und das Licht. Ich weiss gar nicht ob die Schweden Salz streuen. Ich habe es noch nicht bemerkt. Auch habe ich noch kein Räumfahrzeug gesehen... die wird es aber sicher geben.
Es wird sehr viel Sand gestreut oder auch eine Art Kies (ich weiss nicht genau was das ist, es scheint aber kein Salz drin zu sein). Auf den Hauptstrassen ist der Schnee weitgehend weg. Aber ich habe fast das Gefühl, das liegt nur daran, dass sie stark befahren sind. In der Mitte oder am Rand liegt nämlich noch einiges an Schneematsch. Sobald man aber von der Hauptstrasse nach rechts oder links abbiegt, ist alles weiss, oder sagen wir leicht bräunlich. Da liegt der Schnee, der mittlerweile durch die Autos zu Eis festgedrückt wurde, einfach auf der Strasse. Zur Sicherheit wurde ein wenig Sand darauf verteilt aber das muss nicht unbedingt sein.
Man gewöhnt sich einfach daran, dass die Nebenstrassen (auch unsere) eben rutschig sind. Mit dem Auto ist das kein Problem. Nur mit den Schuhen rutscht man ganz schön :)
Die Kinder mögen den Schnee jedenfalls und wir auch (bisher).
Ach ja, das wollte ich ja noch erzählen: Vorgestern abend habe ich im Nachbarsgarten einen Hasen gesehen. Nicht irgendwo im Feld oder weit weg vom Haus. Er war direkt auf der Wiese hinter dem Haus und hoppelte da rum. Das fand ich schön, denn es zeigte wieder einmal, wie nah wir hier an der Natur dran sind, so im Vergleich zu unseren letzten Wohnungen.

1. Tief

Diese Woche hatte ich auch schon mein erstes kleines (mittleres) Tief. Es ist wieder überstanden und war auch nicht so wild. Eigentlich hatte ich das viel früher erwartet. Erstaunlich war aber, dass es nicht mit dem Abschied aus Deutschland oder der Eingewöhnung hier zu tun hatte. Es war das übliche "Mutter-und-Hausfrauen-Tief" das mich und viele meiner Freundinnen so in etwa alle halbe Jahr mal befällt. Irgendwie fehlt mir nach, oh man bald schon 4 Jahren, die geregelte Arbeit. Mir fehlen die Sozialkontakte im Büro, nicht nur andere Mamas. Und mir fehlt es einfach morgens zur Abreit zu gehen, nicht nur die Kinder um mich zu haben und abends eben wieder zu kommen. Von mir aus auch früher, eine Teilzeitstelle wäre schon was. Die Arbeit die ich mache, ich bin froh, dass ich was hab, die mache ich ja immer noch von daheim aus. Das ist nicht das Gleiche und nicht so erfüllend, zumal ich immer noch die Disziplin aufringen muss was zu tun daheim. Im Büro war das irgendwie anders. Man hat sein Pensum und vor allem lenkt nicht der Haushalt oder eines der Kinder ständig ab. Mit den Beiden kann ich sowieso kaum was machen. Schon der Haushalt ist eine Meisterleistung mit denen...
Sie wollen immer Programm oder streiten. Vor allem Lilli ist sehr anhänglich und kommt immer dann wenn ich mich in einen Gedankengang reingehängt habe. Aber wehe ich mache nichts, dann kommt keiner :)
So sind sie...
Aber wie gesagt, das habe ich öfter und es ist auch schon wieder vorbei. Mir fehlt die Arbeit immer noch aber ich weiss, dass das irgendwann wieder anders wird. Und zum Glück hab ich einen Mann der das versteht und so gut es geht hilft. :)
Und die Kinder sind ja auch nicht zu verachten, auch wenn sie mich manchmal ärgern. Aber letztlich bin ich froh, dass es so ist und ich sie habe. Anders müsste ich ja auf sie verzichten und jetzt wo ich sie kenne, will ich sie nicht mehr missen.

Das ist Schweden

Was ist Schweden? Schweden ist so viel, das kann man gar nicht in einen Blogeintrag schreiben. Aber schon in den wenigen Wochen, in denen wir nun hier leben, haben uns so viele tolle, manchmal verrückte aber vor allem andere Sachen gezeigt, als wir es von Deutschland gewohnt sind.
Ein Beispiel sind die Strassen und schier endlosen Weiten hier. Hinter jeder Biegung, um die es noch recht bewohnt scheint, kann plötzlich ein Feld, ein Wald und dann nichts mehr sein. Mit nichts meine ich eigentlich recht viel. Natur. Aber nur Natur. Man denkt, man ist mitten in einer Stadt, einem Ort, und dann plötzlich, hinter dem Ortsausgangsschild kommt nur noch "wildnis".
Strassen, die auf der Karten mindestens nach einer Landstrasse aussehen, entpuppen sich hier manchmal als etwas besser ausgebauten Waldweg mitten im Niemandsland. Jochen gab mir letztens einen Tipp für eine Abkürzung zum Flughafen und obwohl ich ihn und seine navigatorischen Fähigkeiten kenne und weiss, dass er in aller Regel den richtigen Weg findet, war ich dann doch zwischendurch etwas nervös. Es war dunkel, um 17 Uhr, und mitten im Wald und ausser einem oder zwei Häusern, die mitten drin einfach so standen, war da gar nichts. Dafür sah Jochen auf der anderen Strecke Richtung Heim, Rehe, die ganz plötzlich am Strassenrand entlang liefen. Davon sieht man allerdings recht viele. Auf den Wiesen und Feldern direkt neben der Strasse kann man sie manchmal sehen. Bei unserem Besuch am Schloss Tidö sahen wir sogar einen Hirsch. Und Sandra und ich sind recht sicher, dass wir sogar einen jungen Elch gesehen haben... allerdings, je läänger es her ist, desto weniger glaube ich daran. Elche sind ja nur eine Erfindugn des Tourismusverbandes...
Diese Natur, die wir jeden Tag sehen dürfen und die nun völlig "normal" für uns ist, ist wunderschön. Das erinnert uns täglich daran, weshalb wir das alles eigentlich gemacht haben. Und es bestätigt uns immer wieder, dass es richtig war und ist.
Aber nicht nur die schöne Natur ist Schweden. Das ist eher das schöne Klischee. Schweden heisst auch, Supermärkte in Mengen und allen Größen. Supermärkte die am Sonntag noch bis 21 Uhr und manchmal sogar länger, geöffnet sind. Es macht richtig Spaß in diesen Märkten zu spazieren. Man findet seltsame Dinge. Zum Beispiel gibt es da Dinge, die wie Würste aussehen (ok, recht dicke Würste), aber keine sind. Sie sehen aus wie die Wurst beim Meztzger, bevor er die Scheiben davon abschneidet. Hm lecker, denkt man und tritt näher um zu sehen um welche Wurst es sich handeln könnte.. Nein, weit gefehlt. Schock. Das ist ja fertiger Milchreis in Folie.... bäh, sieht das eklig aus. Aber nein, daneben gehts noch viel ekliger. Direkt daneben liegt nämlich die "Wurst" mit der Bolognaise oder andere Arten von Fleischsossen. Manchmal kann man es auch gar nicht definieren. Es gibt die Würste auch mit Marmelade, quasi als Nachfüllpack. Ich stell mir dann immer vor wie man die aufmacht um den Inhalt in einen Topf zu kippen oder ein Marmeladenglas... neee, darauf kann ich verzichten.
Man findet aber noch andere spannende Sachen im Supermarkt. Recht schnell merkt man nämlich, dass fast alles in größeren Packungen ist, als man es gwöhnt ist. So sieht man 3kg Nudeln oder auch Reis recht oft. Die sind schon ganz normal. Auch Mehl oder Zucker sind gerne in 2-3kg Packungen. Oder auch mal 5. Ich habe eine Dose gesehen mit 3kg Tomaten. Wer braucht das??? Höchstens ein Restaurant. Käse kann man ja auch nur in großen Packungen kaufen, die kleinen sind eigentlich unbezahlbar. So kaufen wir nun immer den 2 kg Haushaltskäse. Aber der Renner war eine 9kg (ich hab drei mal geschaut) schwere Packung mit Basmatireis. Unfassbar. Da kann man doch glatt ein Jahr davon leben... Sowas macht riesen Spaß. Auch, dass es in fast jedem Geschäft Süßes oder Trockenobst und Nüsse so zu kaufen gibt. Ich meine lose. Man kann es selbst abwiegen. Das ist richtig schön, allerdings leider immer etwas teuer...
Es gibt noch mehr was man als typisch schwedisch bezeichnen kann. Man kann gar nicht immer alles aufschreiben. Ich versuche es aber weiterhin :)

Wir sind wieder online

Seit gestern abend haben wir wieder Internet. Endlich. Nun muss Jochen nicht mehr alles auf dem Laptop vom Büro heim und wieder zurück schleppen. Und ich muss nicht mehr mails über eine Handyverbindung abrufen (das kostet nämlich...) Jochen hat eine ganze Weile gebraucht es zum Laufen zu bringen aber jetzt geht es endlich. Internet und WLAN. Wir haben wieder Zugang zur Welt :)

Kindergarten oder Förskola, wie die Schweden sagen

Seit dieser Woche geht Florian in den Kindergarten. Ich hatte noch gar keine Zeit darüber zu berichten. Der Kindergarten, in den er geht, ist sehr groß. es gibt hier im Ort wohl viele Kinder... Es sind sogar so viele, dass sie keinen Platz für Lilli haben, obwohl uns ja eigentlich einer zustehen würde. Sie arbeiten daran... Das Problem haben nämlich nicht nur wir. Aber zu Florian. Wie gesagt, der Kindergarten ist groß. Es gibt zwei Gruppen allein für seine Altersgruppe und da sind 16 bzw. 17 Kinder drin. In jeder Gruppe gibt es drei Erzieherinnen, was gar kein schlechter Schnitt ist. Ausserdem gibt es im Haus noch Gruppen für die unter 2 jährigen und die über 2. Oder zumindest glaube ich, dass die Alterseinteilung so war... Es sind so viele Gruppen, da verliert man schnell den Überblick, zumal das mit dem Sprachgewirr ja noch nicht besser geworden ist. Für die Kinder ab 5 (glaube ich) gibt es noch mal eine richtige Vorschule. Die ist in einem anderen Haus. Und danach gehts dann ab 6 in die Schule, ein paar Häuser weiter. In Florians Gruppe, Bamse ett, sind also 17 Kinder. Er hat noch gar nicht alle auf einmal gesehen, da ein paar fehlen und die Gruppe oft geteilt wird. So sind meist nur so um die 5-10 im Gruppenraum. Da gibt es viele Möglichkeiten zur freien Gestaltung. Die Kinder dürfen sehr viel alleine machen. Es gibt ein Regal mit Spiel- und Bastelsachen drin. Dazu gehören auch kleine Perlen oder Steckspiele. Ein Fädelspiel, Malsachen und die üblichen Sachen, Puzzels, Autos, Züge etc. Die Kinder haben viel Auswahl. Eine der Erzieherinnen bereitet auch fast jeden Tag etwas vor, das die Kinder dann machen können. Zum Beispiel haben sie am ersten Tag gleich eine Lampe für ein Teelicht gebastelt. Oder Schneeflockenketten für die Fenster. Die Räume sind recht offen gehalten und man hat das Gefühl, die Kinder könnten durch das ganze Haus rennen. Seltsamerweise verschwindet keines der Kinder. Florians Gruppe hat eine Gaderobe, mit einem Haken und einem Fach für jedes Kind und einen großen Gruppenraum. Daneben ist ein kleinerer Raum, die Bauecke, der direkt an den Großen anschliesst. Ausserdem gibt es einen kleinen Raum mit einer Spielküche. Daneben ist der Bastelraum und danach kommt dann Bamse två, die andere Gruppe. Es gibt eine Küche, mit einer Köchin, die für alle Kinder im Haus kocht. Zum Standard gehört nämlich das Frühstück um 8 und das Mittagessen um 12. Beides ist im Preis enthalten. Ach ja, eine Obstmahlzeit dazwischen und eine kleine Mahlzeit (Knäcke und Tee) nachmittags, gibt es auch noch. Wenn man nicht arbeitet hat man in Schweden einen Grundanspruch auf Kinderbetreuung von 15 Stunden. Hier scheint der Satz bei 20 zu liegen. Die Zeit kann dabei mehr oder minder frei eingeteilt werden. Ein Kind könnte also auch nur nachmittags kommen... Sobald man arbeitet oder auch eine Weiterbildung (auch der Sprachkurs) macht, hat man mehr Anspruch. Auch diese Zeit kann frei eingeteilt werden. Je nach dem wann man sie eben braucht. Es gibt sogar Gruppen (in der Stadt), in denen Kinder nachts betreut werden, für Familien mit Schichtdienst. Wir haben uns erst mal auf 4 Stunden täglich geeinigt. Sollte ich mehr brauchen, muss ich mich noch einmal melden. Für die Eingwöhnungsphase hat man normalerweise 2 Wochen. Bei uns wird es vielleicht länger dauern, da es ja etwas schwerer für ihn ist. Bisher haben wir es bei 2 Stunden am Tag mit mir und Lilli belassen. Nächste Woche wollen wir mal mehr probieren und vielleicht mal schauen wie er ganz ohne mich auskommt, wenn ich mit Lilli in einen anderen Raum gehe. Bisher war er nur mal 5 Minuten allein, wenn ich Lilli wickeln musste. Ab nächster Woche kann er dann auch mal da essen. Das wohl ohne mich, denke ich... Es gefällt Florian da. Er versteht nicht alles und noch spielt er nur begrenzt mit den anderen Kindern. Die Jungs in der Gruppe haben sich aber schon ein wenig mit ihm angefreundet. Zum "Raufen" braucht man sich nicht verstehen... Sie spielen Nachlaufen und werfen sich dabei um. Sie finden das besonders lustig. Da alle gleich glücklich dabei aussehen, haben die Erzieherin und ich beschlossen sie zu lassen (in Grenzen). Jeden Tag gibt es auch einen Sitzkreis, in dem gespielt und gesungen wird. Diese Woche stand er meist ganz im Zeichen von Astrid Lindgren, die ja am Donnerstag 100 geworden wäre. Promt gab es an dem Tag auch eine "Theateraufführung". Es hatte etwas von Kasperle, nur, dass das ein einzelner Mann mit Gitarre war. Aber er hat das so schön und liebevoll gemacht. Er hat Pippi und Eemil (wie der Michel hier heisst) und seine Schwester Ida und all die anderen Figuren so schön zum Leben erwacht. Faszinierend ist auch wie sehr die Kinder das alles kennen und die Lieder mitsingen. Natürlich haben wir uns jetzt auch schon ein paar CDs mit schwedischen Kinderliedern besorgt. Das it süß. Am besten gefällt uns aber gerade das Lied vom Zuckerbäcker. Das ist schön einfach und ich kann es auch
schon singen (die erste Strophe):

En sockerbagere här bor i staden
han bakar kakor mest hela dagen
han bakar stora
han bakar små
han bakar några
med socker på

In etwa:
Ein Zuckerbäcker lebt hier in der Stadt
er bäckt Kuchen den ganzen Tag
er bäckt große
er bäckt kleine
er bäckt welche
mit Zucker drauf.

Die haben auch einen süßen Weihnachtsboogie auf dem Programm :)Florian gefällt die Singerei und Lilli sowieso. Aber Florian singt manchmal mit. Bzw. eigentlich singt er später. Er macht dann bla bla bla mit Melodie und meint dann, das sei schwedisch. So süß. Inzwischen kann er aber schon ganz gut ein paar Sachen sagen. Das zwar nie von sich aus, aber das geht vielen Kindern ja sogar in der eigenen Sprache so. Auf Aufforderung kann er aber hej oder hej då sagen oder auch förlåt. Ein paar andere Sachen kann er vielleicht auch verstehen aber da bin ich nicht ganz sicher. Meist sagen wir eh alles doppelt. Schwedisch/Deutsch. Die Erzieherinnen und ich haben eine Liste angelegt mit Wörtern oder Sätzen, die wichtig sein könnten. Jetzt üben wir gemeinsam. Für mich ist das auch schon ein Schwedischkurs. Die Kinder reden ja mit mir ob ich was verstehe oder nicht. Ein Mädchen kommt immer zu mir und will was. Sie scheint mich zu mögen. Sie weiss, dass ich nicht viel verstehe aber sie versucht es trotzdem immer wierder. Gestern wollte sie, dass ich ihr die Jacke zumache. Dann fiehl ihr auf, dass die Weste die da lag, ihre war und die unter die Jacke gehört. Also Jacke wieder aus. Da ich nicht alles verstanden habe, was sie sagte, es aber erahnen konnte, hab ich
also bei jedem Schritt gefragt ob das so gut ist. Sie schaute mich an als käme ich vom Mond. Aber hinterher hat sie sich bedankt und bra gesagt als ich wieder gefragt hatte. Bra also gut. Heute kam sie dann wieder. Mit einem Koffer und wollte, dass ich den aufmache. Später wieder zu. Süß. Ausserdem hab ich gelernt was man sagt, wenn man ein Nachlaufspiel starten will... sehr nützlich, oder nicht? Es heisst jedenfalls: Du kan inte ta mig. Soviel wie, Du kannst mich nicht bekommen.... oder wie man bei uns sagt: "Du kriegst mich nicht!" Die Kinder haben wohl schon völlig akzeptiert, dass Florian nun zu der Gruppe gehört, denn sie fragen wo er ist, wenn wir gehen
oder warum wir gehen und wann wir wieder kommen. Das ist, denke ich, ein gutes Zeichen. Und auch Florian, der zwar immer noch sagt, dass der Kindergarten in Elz schöner war, will sehr gerne hin und freut sich jeden Tag. Aber er meint auch, dass die Kinder ihn ja noch nicht kennen und dass er nichts versteht. Mit der Zeit wird das kommen und er schlägt sich echt tapfer. Obwohl er ja am ersten Tag schon gleich einen ganz florianschen Auftritt geliefert hatte. Mit Schreien, auf-den-Boden-werfen und allem drum und dran. Er schreit immer wenn er gefrustet ist. Also, wenn er nicht weiterkommt. Das passiert hier natürlich öfter als sonst. Ein Junge hatte heute schon gemerkt was Sache ist und sich vorsichtshalber die Ohren zugehalten... Das fand Florian so bemerkenswert, dass er darüer das Schreien vergass. Insgesamt hab ich es mir aber viel schwerer vorgestellt. Die Erzieherinnen sind auch wirklich sehr hilfsbereit. Überhaupt alle hier. Eine Frau, diejenige, die den Schwimkurs macht und die öppna förskola, will mir am Wochenende eine Kassette mit den Lucia Liedern aufnehmen. Selbst gesungen!!! Damit wir üben können. Der Text alleine reicht ja nicht. Sie kam ganz allein auf die Idee. Ich hatte zwar schon mal überlegt aber sowas hätte ich dann doch nicht gefragt. Höchstens ob sie mir was überspielen könnte oder ne CD empfehlen zum Kaufen. Das hatte ich auch gefragt. Aber, dass sie es selbst singt finde ich süß. Wir werden also ab Dienstag dann eine Kassette mit den typischen Lucia Liedern haben und rauf und runter spielen.

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